Lehren lernen, über Lehren forschen

Angewandte Linguistik und das Tätigkeitsfeld Lehren

Wenn wir an Lehren denken, fällt uns in erster Linie wohl die Tätigkeit als Lehrkraft ein. So ziemlich alle sind schon einmal in einer Unterrichtssituation gewesen, sie sind aus unserem alltäglichen Leben nicht wegzudenken. Dabei tummeln sich auch im Tätigkeitsfeld Lehren Angewandte Linguistinnen und Linguisten und arbeiten daran, den Alltag für alle zu verbessern.

Dabei lehren Linguistinnen und Linguisten nicht zwingend selbst, sondern unterstützen die Lehrenden dabei, wirksame Konzepte für den Unterricht zu entwickeln, die über das bloße Vermitteln von Sprache hinausgehen und eigenständiges Lernen fördern. Dies geschieht unter anderem durch die Mitwirkung an Schul- oder Lehrbüchern – und wir alle hatten schon einmal ein Schulbuch in der Hand, auch wenn es vielleicht ein paar Jahre her ist. 😉

Was bedeutet nun das Lehren von Sprache für die Angewandte Linguistik?

Die Angewandte Linguistik hat sich unter anderem zur Aufgabe gemacht, sich mit den Aneignungs- und Vermittlungsprozessen der Sprache zu beschäftigten und das vom L1-Erwerb bis hin zur Erwachsenenbildung. Der Bereich des Lehrens geht jedoch weit über reines Vermitteln von Sprachwissen als konkrete Lehrtätigkeit hinaus. Viele weitere Elemente, wie die Verbesserung der Sprach- und Kommunikationskompetenz und die fachdidaktische Forschung, gehören zum Lehren in der Angewandten Linguistik. Die Kommunikationskompetenz erstreckt sich hierbei von der nonverbalen bis zur multimodalen Kommunikation, die nicht nur das gesprochene Wort, sondern auch die Mimik, Gestik und die Verknüpfung der geschriebenen und gesprochenen Sprache in den Blick nimmt. In Zeiten wie heute, mit fortschreitender Digitalisierung, wird zudem der Einsatz von Technik in der Sprachvermittlung immer wichtiger.

„Der beste Lehrer ist jener, der sich nach und nach überflüssig macht.“

George Orwell

Wie kann denn beim Lehren unterstützt werden?

Gute Lehrerinnen und Lehrer, wie Orwell sagt, machen sich im besten Fall tatsächlich irgendwann überflüssig. Vor allem, wenn die Schülerinnen und Schüler gelernt haben, sich selbstständig weiterzubilden. Linguistinnen und Linguisten sind währenddessen jedoch unentbehrlich. Ihre Arbeit ist in vielen Bereichen notwendig und erfordert eine stetige Weiterentwicklung. Lehrkräfte vermitteln Schülerinnen und Schülern während ihrer schulischen Laufbahn Wissen und helfen ihnen, Lernstrategien zu erwerben und anzuwenden, welche sie ihr ganzes Leben lang brauchen werden. Linguistinnen und Linguisten helfen dabei, dieses Sprachwissen und die benötigten Lernmaterialien zum Erlernen solcher Strategien bereitzustellen. Sie sind also unverzichtbar für den sprachgebundenen Lernprozess und das nicht nur in der Schule.

Überall dort, wo Wissen vermittelt wird, kann man Linguistinnen und Linguisten bei der Arbeit finden. Hierbei geht es heutzutage vor allem um die Entwicklung und Erprobung von digitalen Ressourcen und mediendidaktischen Konzepten für den Sprachunterricht und den Schulunterricht allgemein. Auch an der Entwicklung von Schulbüchern, Lehrbüchern und Wörterbüchern wirken Linguistinnen und Linguisten mit. Dabei werden verschiedenste Aspekte bestimmter Problemstellungen der Linguistik behandelt. Hierunter fallen die historische Linguistik mit Sprachentwicklung, Etymologie und Sprachwandel sowie im Bereich der Soziolinguistik die Standardsprache vs. Gruppen- oder Fachsprache und Sprachnormproblematik. Zudem kann die Psycholinguistik, mit kognitiven und emotiven Aspekten, hier mit einwirken, ebenso wie Syntax, Semantik und Pragmatik der Gegenwartssprache.

Wo arbeiten Angewandte Linguistinnen und Linguisten?

Die Arbeitsbereiche einer Linguistin und eines Linguisten sind weit gefächert. Um nur wenige zu nennen, die sich besonders auf das Tätigkeitsfeld Lehren beziehen, wären einmal die bereits angesprochene direkte Zusammenarbeit mit Schulen und Universitäten beim Erstellen und Verbessern von Lehrbüchern oder Schulbüchern zu nennen. Bei der Konzeption und Durchführung von Workshops und Schulungen sind Linguistinnen und Linguisten ebenfalls tätig. Sie beschäftigen sich unter anderem mit Dialekten, Sprachbarrieren, der Optimierung von Kommunikation, ebenso wie journalistisches Schreiben und Sprechen oder mit dem Einsatz von Print-, Funk- und Computermedien.

Es ist äußerst wichtig, Prozesse des Spracherwerbs und des Erlernens von kommunikativen Fähigkeiten zu untersuchen und weiterhin zu fördern. Deshalb sind Angewandte Linguistinnen und Linguisten essenziell für Schulen, Universitäten und zahlreiche andere Lernkontexte und forschen mit dem Ziel, Sprachlern- und Sprachlehrprozesse zu verbessern. Das Tätigkeitsfeld Lehren der Angewandten Linguistik begegnet uns eben tagtäglich überall, wo Wissen vermittelt wird.

Zur Autorin:

Cora Büchler, Studentin für Gymnasiallehramt mit den Fächern Deutsch, Sozialkunde und Geschichte. Verliebt in Würzburg und in den Beruf der Lehrkraft. Hat sich zum Ziel gesetzt, eine „coole“ Lehrerin zu werden!

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