Herzlich willkommen!

Liebe Teilnehmerinnen und liebe Teilnehmer der GAL-Jahrestagung 2022,

in einer Woche ist es schon so weit: Am 28. September 2022 beginnt die GAL-WÜ 22, die diesjährige Jahrestagung der Gesellschaft für Angewandte Linguistik. Wir freuen uns auf die Tagung und vor allem auf Sie: Auf Ihr Interesse und Ihre fachliche Neugierde, auf Ihre Diskussionsbeiträge und natürlich auf Ihre Vorträge und Präsentationen! Über 130 Vorträge sind in den Sektionen angekündigt, zusätzlich gibt es 15 Poster in der Postersession, 3 Referate zu Fördermöglichkeiten der Angewandten Linguistik und 2 Workshops für den wissenschaftlichen Nachwuchs.

Unser vollständiges Tagungsprogramm können Sie hier herunterladen oder im Conftool abrufen.

GAL-Sektionentagungen zeichnen sich dadurch aus, dass – neben einem attraktiven wissenschaftlichen Rahmenprogramm für alle (in diesem Jahr: Workshops, Ausstellung, Poster-Slam) – die einzelnen Sektionen ihre spezifischen Inhalte unter aktuellen Fragestellungen intensiv diskutieren und weiterführen können.
Die Breite Angewandter Linguistik wird mit diesem auch in der Vergangenheit sehr erfolgreichen Format erheblich besser abgedeckt, als sie es durch eine Plenartagung mit übergeordnetem (und zwangsläufig vagem) Einzelthema überhaupt könnte. GAL-WÜ 22 bietet deshalb innerhalb der Gesamttagung 15 Sektionentagungen mit spezifischen aktuellen Themen. Es gibt vielfältige, individualisierbare Wege zu einer Verknüpfung dieser Aspekte, denn die Sektionen tagen nacheinander in zwei Gruppen. Damit ist über den Tagungszeitraum die Teilnahme an zwei ganzen aufeinanderfolgenden Sektionen möglich. Sie haben die Wahl! Feste Pausenzeiten zwischen den Abschnitten ermöglichen aber auch stets einen Sektionenwechsel. So können Sie Ihr Tagungsprogramm ganz individuell zusammenstellen.

All das unter einem Dach: Nachdem die Tagung im letzten Jahr virtuell stattgefunden hat, freuen wir uns nun ganz besonders, Sie zu diesem vielfältigen Programm nach Würzburg einladen zu können. Die Tagung findet im Gebäude Wittelsbacherplatz der Universität Würzburg statt.

Adresse: Wittelsbacherplatz 1, 97074 Würzburg

Wir sind schon ganz gespannt darauf, Ihnen dort auch unsere Ausstellung „Arbeitsfelder der Angewandten Linguistik“ zu zeigen, die Studierende der Universität Würzburg für die letztjährige GAL-WÜ 21 entworfen haben.

Außerdem möchten wir Sie herzlich zum Fortsetzungsprojekt dieser Ausstellung einladen: die Linguistischen Spaziergänge. Die Linguistischen Spaziergänge wurden ebenfalls von Würzburger Studierenden entwickelt und sind die ideale Pausengestaltung während der Tagung: Für eine Dauer von ca. 30 Minuten erkunden Sie aus einer linguistischen Perspektive die Umgebung des Tagungsgebäudes und haben währenddessen auch die Möglichkeit, bei einem nahegelegenen Bäcker oder Imbiss Halt zu machen. Worauf warten Sie also? Packen Sie Ihre Kopfhörer ein!

Wir freuen uns sehr auf die Tagung und wünschen Ihnen eine angenehme Anreise nach Würzburg. Vielleicht sehen wir uns ja schon beim Conference Warm-Up!

Für das Orgateam:

Matthias Schulz und Miriam Reischle

DAS ist Angewandte Linguistik!

Rückblick auf unser #galwue22-Blogprojekt

Auch dieses Jahr, in unserem #galwue22-Blogprojekt, wollten wir Ihnen die große Vielfalt der Angewandten Linguistik näherbringen! Dazu gab es verschiedene Blogbeiträge zu der Frage: Was machen Angewandte Linguistinnen und Linguisten eigentlich?

Mit dem heutigen Blogbeitrag endet unser #galwue22-Blogprojekt, wobei Sie sich Ihre Zeit in den letzten Wochen mit 16 Blogs vertreiben konnten. Diese Beiträge wollen wir heute noch einmal zusammenfassen und uns zurückerinnern, welche spannenden Felder und Projekte die Angewandte Linguistik für uns bereithält. Außerdem sind wir Ihnen noch die Antworten auf das Abschlussquiz der letzten Woche schuldig. Viel Spaß!

Was ist Angewandte Linguistik?

Angewandte Linguistik interessiert sich für Kommunikationsprozesse im lebensweltlichen Alltag und in beruflichen Zusammenhängen. Auf der Basis sprachwissenschaftlicher Expertise sucht sie Lösungen für Real World Problems. Dazu greift sie auf Erkenntnisse und Methoden aller sprachwissenschaftlicher Teildisziplinen zurück – zum Beispiel der Phonetik, der Lexikologie oder der Korpuslinguistik. Damit ist die Angewandte Linguistik selbst keine weitere Teildisziplin der Sprachwissenschaft, sondern vielmehr eine sprachwissenschaftliche Forschungspraxis. Angewandte Linguistinnen und Linguisten suchen in ganz verschiedenen Themenbereichen, mit ganz verschiedenen Fragestellungen, Methoden und Untersuchungszuschnitten solche Real World Solutions.

Das macht es fast unmöglich, die Projekte eindeutig verschiedenen Forschungsbereichen zuzuordnen. Deshalb sind wir anders an die Sache herangegangen. Wir haben uns gefragt: Welche Tätigkeiten üben Angewandte Linguistinnen und Linguisten eigentlich aus? Wir haben sechs Tätigkeitsfelder voneinander unterschieden.

Angewandte Linguistinnen und Linguisten…

lehren Sprache und Sprachwissen.

diagnostizieren und therapieren sprachliche Störungen.

klären über sprachbezogene Probleme in der Gesellschaft auf.

beraten zu sprachbezogenen Problemen und zeigen Lösungsstrategien auf.

professionalisieren die Sprachverwendung in beruflichen Zusammenhängen.

dokumentieren den gesprochenen und geschriebenen Sprachgebrauch.

Angewandte Linguistinnen und Linguisten lehren!

Im Zentrum einer jeden Lehrtätigkeit steht die Unterrichtseinheit, die die meisten wohl vor allem aus der Schule kennen. Dabei ist es essenziell, dass die Lehrkräfte und Lernenden mit Unterrichtsmaterialien unterstützt werden. Cora Büchler hat uns gezeigt, dass hier Angewandte Linguistinnen und Linguisten ins Spiel kommen, die sich unter anderem mit der Ausgestaltung von Lehrbüchern befassen. Außerdem rücken Bereiche wie Medienkompetenz und digitale Kommunikation für den Schulunterricht immer mehr in den Fokus der Lehrtätigkeit und so auch in den der Angewandten Linguistik.

Ebenfalls mit dem Schulunterricht befasst sich das Projekt „SPRINT – Sprachbildung interaktiv“, welches uns Isabell Neumann vorgestellt hat. Hierbei geht es darum, Ungleichheiten zwischen Lernenden auszugleichen und für bessere Kommunikation innerhalb der Unterrichtseinheiten zu sorgen. Dafür werden Lehrkräfte durch Feedback geschult und mit verschiedenen Werkzeugen für abwechslungsreiche Unterrichtsgespräche ausgestattet. Isabell Neumann hat ihre Informationen dabei aus erster Hand von der Projektleitung Prof. Dr. Miriam Morek im Interview erhalten.

Ein weiteres Projekt aus dem Bereich Lehren haben uns Anna-Lisa La Rocca und Julia Brümmer-Dauer vorgestellt. Hierbei handelt es sich um das „DW-DGS – das digitale Wörterbuch der Deutschen Gebärdensprachen“, welches das erste korpusbasierte Wörterbuch hierfür darstellt. Es soll den Unterricht zu deutscher Gebärdensprache durch eine umfassende Grundlage für Lernende und Lehrende vereinfachen.

Angewandte Linguistinnen und Linguisten diagnostizieren und therapieren!

Sprachwissenschaftliche Expertise unterstützt auch im medizinischen Bereich, vor allem bei der Diagnose und den Therapieansätzen von Sprech- oder Sprachbeeinträchtigungen. Lena Kettritz und Konstantin Flierl sind hierfür mit der Sprachheilpädagogin Martina Barthold ins Gespräch gekommen. In ihrem Beitrag haben sie uns deren umfangreichen Arbeitsbereich rund um Diagnostik und Therapie von Sprech-, Sprach-, Stimm- und Schluckstörungen im Kindes- und Erwachsenenalter genauer vorgestellt und gezeigt, wie Linguistinnen und Linguisten bei der Therapie unterstützen können.

Eine andere Richtung von Diagnostizieren und Therapieren haben uns Yvonne Luksch, Friederike Schmidtmann und Franziska Schulte mit „Durch die rosarote Brille gesehen“ vorgestellt. Dieses Projekt hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Einfluss von Depressionen auf die Wahrnehmung figurativer Sprache, wie Metaphern, zu untersuchen. Dabei sollen neuartige Therapiekonzepte für Menschen mit psychischen Erkrankungen entwickelt werden.

Angewandte Linguistinnen und Linguisten klären auf!

Die Angemessenheit oder Unangemessenheit von Sprache steht andauernd im gesellschaftlichen Fokus. Jule Beck hat uns im Bereich Aufklären das Unwort des Jahres vorgestellt, dessen Jury unter anderem aus Linguistinnen und Linguisten besteht. Durch diese Aktion soll sprachkritisch auf diskriminierenden, stigmatisierenden, euphemisierenden, irreführenden oder menschenunwürdigen Sprachgebrauch aufmerksam gemacht werden. Eines dieser Unwörter ist Pushback aus dem Jahr 2021, welches so viel wie zurückdrängen oder zurückschieben bedeutet, und eher im militärischen Bereich verwendet wird.

Ein weiteres Beispiel für solch unangemessenen Sprachgebrauch ist sogenannte Hate-Speech, deren Problematik uns Agata Okula und Tom Rath näher vorgestellt haben. Das XPEROHS-Korpus sammelt solche Hassrede in deutschsprachigem und dänischem Facebook und soll so dazu beitragen, die Ausgestaltung wie Lexik oder Musterhaftigkeiten von Hate-Speech analysierbar zu machen. So könnte Hassrede in Zukunft leichter zu filtern sein und aus den Sozialen Netzwerken verschwinden.

Nina Busch und Tim Neumann haben uns ein weiteres Projekt im Bereich angemessenen Sprachgebrauchs vorgestellt. Hierbei handelt es sich um „Polizei-Translationen – Mehrsprachigkeit und die Konstruktion kultureller Differenz im polizeilichen Alltag“ an dem auch Prof. Dr. Bernd Meyer von der Universität Mainz beteiligt ist. Dieser hat für den Blogbeitrag einige Fragen zum Projekt beantwortet, das sich mit der Wahrnehmung des Fremden bei der Polizei und der Reaktion von Polizistinnen und Polizisten auf Nicht-Muttersprachlerinnen und -sprachler beschäftigt.

Angewandte Linguistinnen und Linguisten beraten!

Wenn wir in unserem Alltag alleine nicht mehr weiterwissen, gibt es diverse Beratungsstellen, die uns unterstützen können, so auch in der Angewandten Linguistik. Xinyi Gong und Timo Lüsebrink haben uns das Tätigkeitsfeld Beraten nähergebracht und verschiedene sprachwissenschaftliche Beratungsstellen vorgestellt. Darunter die kostenpflichtige „GfdS – die Gesellschaft für deutsche Sprache e.V.“, welche sogar Abgeordnete des Bundestages in linguistischen Fragestellungen wie beispielsweise Gesetzestexte berät.

Aber auch in Sachen Dolmetschen spielt Beratung eine zentrale Rolle. Zu diesem Thema haben uns Yijia Chen und Yuanying Jin den spannenden Bereich des Telefondolmetschens näher vorgestellt. Diese Praxis, eine dritte Partei in Form einer Dolmetscherin oder eines Dolmetschers per Telefon zuzuschalten, gibt es bereits seit den 70er Jahren. Sie wird jedoch immer wichtiger, um ortsungebunden, beispielsweise in der Kommunikation mit Migrantinnen und Migranten, Hilfestellung leisten zu können. Die Wichtigkeit des Telefondolmetschens hat auch Prof. Dr. Bernd. Meyer erkannt, wobei er im Projekt „Turn-Taking und Verständnissicherung beim Telefondolmetschen Arabisch-Deutsch“ die Probleme dieser Beratungsform angehen möchte. Hierzu gehört unter anderem die fehlende Mimik und Gestik, da am Telefon ohne „face to face“-Kontakt, also auch ohne Video, kommuniziert wird, was zu Verständnisproblemen führen kann.

Angewandte Linguistinnen und Linguisten professionalisieren!

Die Angewandte Linguistik kann auch eine Brücke zwischen Alltag und Beruf bilden. Das haben uns Yukari Hayashida und Leonie Kampmann in ihrem Blogbeitrag zum Tätigkeitsfeld Professionalisieren gezeigt. Hierbei ist es wichtig, Sprache und Kommunikation im professionellen Rahmen fachsprachlich und dennoch verständlich zu halten. Das erreicht die Sprachwissenschaft beispielsweise durch Coachings, welche sich mit dem Verfassen von Fachtexten und deren oft schwierigen Termini und Strukturen befassen.

Dabei stehen vor allem Organisationen und Institutionen im Zentrum der Aufmerksamkeit. Das hat auch Jaqueline Krumm in ihrem Beitrag zum Projekt LeiKo unterstrichen. Das ist ein Korpus, welches Texte in leichter und einfacher Sprache dokumentiert und somit helfen soll, Musterhaftigkeiten aufzuzeigen. So sollen immer mehr Homepages auch Texte in leichter und einfacher Sprache anbieten, um kommunikative Gleichberechtigung zu gewährleisten und keine Menschen mit sprachlichen Beeinträchtigungen mehr auszuschließen.

Angewandte Linguistinnen und Linguisten dokumentieren!

Beinahe allen vorgestellten Projekten liegt ein Dokumentiervorgang zu Grunde, haben uns Lisa Köhler und Katharina Wolf in ihrem Blogbeitrag berichtet. Ergebnisse eines solchen Vorgangs sind dann zum Beispiel Sprachkorpora, Wörterbücher, Datenbanken oder Terminologielisten. Diese stellen die Grundlage für weitere Forschungen dar, sodass genaues Arbeiten von größter Wichtigkeit ist.

Ein Bereich, der ständig im Wandel ist, und daher besonders lohnend für das Dokumentieren ist die Jugendsprache. Michelle Bytzek und Maximilian Schwegle haben uns hierzu das „Nottinghamer Korpus deutscher YouTube‐Sprache“ vorgestellt. Die Informationen für ihren Beitrag haben die beiden direkt vom Ersteller Louis Cotgrove im Interview erhalten. Jugendsprache ist dabei kein einfacher Ausschnitt der deutschen Sprache, aber auch keine eigene Fremdsprache. Es ist die Sprache einer eigenen Subkultur des Deutschen mit Sozio-, Regio- und Dialekten.

Sie sehen also, Angewandte Linguistik ist vielseitig und spannend! Wir hoffen, es war im #galwue22-Blogprojekt für jeden von Ihnen etwas dabei und Sie hatten so viel Spaß wie wir! Wenn Sie mögen, können Sie uns noch verraten, welches Thema Sie persönlich am faszinierendsten fanden. Wir freuen uns darauf, bei der GAL-WÜ 22 mit Ihnen darüber ins Gespräch zu kommen.

Sie können gar nicht genug von der Angewandten Linguistik bekommen? Wir auch nicht! Deshalb gibt es auch dieses Jahr wieder unsere Ausstellung – diesmal in Präsenz im Tagungsgebäude. Außerdem können Sie Ihre Pausen mit linguistischen Spaziergängen verbringen, wobei Sie sich die Füße vertreten und dabei noch etwas über linguistische Projekte erfahren! Auf jeder der drei angebotenen Routen finden Sie zudem Restaurants und Bäcker zum Einkehren. Wir freuen uns auf tolle Gespräche und eine rege Beteiligung! Bis dann!

Ihr #galwue22-Blogteam

Sind Sie jetzt Profi für die Angewandte Linguistik?

Das Abschlussquiz des #galwue22-Blogprojekts

Sie haben hier wöchentlich fleißig mitgelesen und sich keinen Blogbeitrag entgehen lassen? Dann ist es sicherlich ein Leichtes für Sie, unser heutiges Abschlussquiz zu bewältigen! Die folgenden 12 Fragen sind auf unsere bisherigen Blogbeiträge abgestimmt und warten auf Ihre Ideen!

Die Auflösung gibt’s in der nächsten Woche. Viel Spaß!  

Testen Sie Ihr Wissen!

Wie viele Tätigkeitsfelder der Angewandten Linguistik unterscheiden wir?

(a) 5 Tätigkeitsfelder
(b) 6 Tätigkeitsfelder
(c) 8 Tätigkeitsfelder

In unserem Blogprojekt haben wir Angewandte Linguistik als eine Teildisziplin der Linguistik definiert. Diese Teildisziplin beschäftigt sich mit Sprache und Kommunikationsprozessen in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Industrie.

(a) Das stimmt!
(b) Nein, das stimmt so nicht.

Wenn sich Angewandte Linguistinnen und Linguistinnen fragen, welches sprachliche Wissen wem wie vermittelt werden soll, dann üben Sie dabei (nach unserer Definition) welche angewandt-linguistische Tätigkeit aus?

(a) Sie beraten.
(b) Sie diagnostizieren.
(c) Sie lehren.
(d) Sie klären auf.

Bis heute existiert kein umfassendes, korpusbasiertes Wörterbuch zu…

(a) unterfränkischen Dialekten.
(b) der deutschen Gebärdensprache.
(c) Klingonisch.
(d) Marokkanisch-Arabisch.

Eines unserer beleuchteten Projekte nennt sich „Durch die rosarote Brille gesehen“, aber womit befasst sich das noch gleich?

(a) Verwendung von Schimpfwörtern und Aggressionsproblemen.
(b) Prosodie und Musikalität.
(c) Verarbeitung bildlicher Sprache im Zusammenhang mit Depressionen.
(d) Fremdsprachenkenntnissen und beruflichem Erfolg.

Angewandte Linguistinnen und Linguisten klären über sprachliche Probleme und Kommunikationsschwierigkeiten auf! Welche dieser Probleme und Schwierigkeiten erfasst das XPEROHS-Korpus?

(a) Sprachliche Muster von Hassrede in unterschiedlichen Sprachen.
(b) Fehlerhafte grammatische Strukturen in Facebook-Posts.
(c) Gender-Sprache in verschiedenen Online-Formaten.

Das Projekt „Polizei-Translationen“ versucht unter anderem ein interkulturelles Problem in Sachen Sprache anzugehen, aber welches?

(a) Die Lexikologie des Polizeifunks.
(b) Übersetzungen polizeilich relevanter Texte ins Deutsche.
(c) Die Kommunikation deutschsprachiger Polizistinnen und Polizisten mit Nicht-Muttersprachlerinnen und -sprachlern.
(d) Sprachliche Eignungstests für Polizistinnen und Polizisten.

Angewandte Linguistinnen und Linguisten beraten in den verschiedensten Bereichen. Dabei gibt es unter anderem die GfdS, die Gesellschaft für deutsche Sprache e.V., aber wofür ist die da?

(a) Sie ist ein Verein zur Konservation des Standarddeutschen.
(b) Sie ist eine kostenfreie Anlaufstelle zur Sprachberatung von Nicht-Muttersprachlerinnen und -sprachlern.
(c) Sie ist ein Verein zur Förderung der deutschen Sprache in Ländern mit Deutsch als Minderheitensprache.
(d) Sie ist eine kostenpflichtige Beratungsstelle, die unter anderem im Bundestag genutzt wird.

Eine in der Angewandten Linguistik gängige Praxis ist das Telefondolmetschen, welche Aussage dazu ist falsch?

(a) Telefondolmetschen gibt es bereits seit den 70er Jahren.
(b) Beim Telefondolmetschen wird häufig zusätzlich per Video kommuniziert.
(c) Telefondolmetschen bietet eine gute Möglichkeit, ortsungebunden Hilfestellung zu leisten.
(d) Das Telefondolmetschen ohne Mimik und Gestik der Gesprächsteilnehmenden birgt viele Schwierigkeiten.

Eine unabhängige Jury, an der auch Angewandte Linguistinnen und Linguisten beteiligt sind, kürt jährlich das „Unwort des Jahres“. In 2021 war Pushback der Sieger, doch was bedeutet das?

(a) So nennt man einen speziellen Tanz, bei dem die Teilnehmenden Rücken an Rücken tanzen.
(b) Es ist ein militärischer Begriff, der zurückdrängen oder zurückschieben bedeutet.
(c) Es ist eine Bezeichnung für eine neuartige Behandlung des Rückens.

Was ist „LeiKo“?

(a) Eine Textsammlung, die konsonantische Fehler bei Schlaganfallpatienten dokumentiert.
(b) Ein Projekt schwedischer Linguistinnen und Linguisten, das karibische Sprachen dokumentiert.
(c) Eine Datensammlung, die fachsprachliche Termini erläutert.
(d) Ein linguistisches Korpus, das Texte für einfache und leichte Sprache beinhaltet.

Das Nottinghamer Korpus beschäftigt sich mit deutscher YouTube-Sprache, um genau zu sein mit Jugendsprache. Aber welche Aussage über Jugendsprache ist richtig?

(a) Jugendsprache hat sich auf semantischer und lexikalischer Ebene in den letzten Jahren kaum verändert.
(b) Jugendsprache weist dialektale, regiolektale und soziolektale Variation auf.
(c) Jugendsprache erfüllt die definitorischen Kriterien einer Fremdsprache.

Geschafft!

Gar nicht so einfach oder richtig leicht? In der nächsten Woche verraten wir Ihnen in einem kleinen Rückblick die richtigen Antworten. Sie dürfen aber natürlich auch gern selbst noch einmal recherchieren: Die Lösungen sind allesamt in unseren Blogbeiträgen versteckt!

Ihr

#galwue-22-Blogteam  

Nottinghamer Korpus deutscher YouTube‐Sprache 

Ein Projekt aus dem Tätigkeitsfeld Dokumentieren mit einem Interview mit Louis Cotgrove

Jugendsprache – schwere Sprache

Wenn man an einer Gruppe Jugendlicher vorbeiläuft, passiert es wohl nicht selten, dass man sich über ihren Sprachgebrauch wundert. Vielleicht schüttelt man sogar wegen manch verwendetem Wort etwas den Kopf oder wundert sich, was es bedeuten soll. Selbst wenn man nur wenige Jahre von ihnen entfernt ist, kommt die heutige Jugendsprache einem manchmal fast schon wie eine richtige Fremdsprache vor. 

Mit Jugendsprache beschäftigt sich auch Louis Cotgrove. Der wissenschaftliche Mitarbeiter am IDS Mannheim promovierte mit der Dissertation über das „Nottinghamer Korpus deutscher YouTube‐Sprache“. Da ein Großteil der Jugendlichen YouTube regelmäßig nutzt und in den Kommentarspalten kommuniziert, liegt es nahe, die hier verwendete Jugendsprache zu vergleichen und zu untersuchen. Aber – inwiefern unterscheidet sich eigentlich die analoge, oder „Real Life“-Jugendsprache von der, die wir online finden? Diese (und ein paar andere Fragen) hat Louis Cotgrove für uns beantwortet!

Inwiefern unterscheidet sich die YouTube-Jugendsprache von der ‚analogen‘ Jugendsprache, also einer, die im konkreten Alltag außerhalb der Online-Welt verwendet wird? 

Es gibt große Überlappungen auf jeden Fall, da die „Online-Welt“ eh ein wesentlicher Teil des Alltags ist. Jugendliche reden untereinander über Online-Geschehnisse und dementsprechend benutzen sie ähnliche Sprachkonstruktionen.

Korpora, die die Jugendsprache beispielsweile auf WhatsApp untersuchen, gab es bereits zuvor. Daten der Seite YouTube wurden nun zum ersten Mal gesammelt. Mit verschiedenen Tools wie SocialBlade oder YouTube Datatools konnten hier die beliebtesten Kanäle ermittelt und mithilfe eines speziell erstellten Programms die sprachlichen Besonderheiten festgestellt werden.

Von kappa, geil und Einhorn-Emojis🦄

Untersucht wurden Kommentare zwischen 2008 und 2018 – eine ganz schön lange Zeit für einen Jugendlichen. Mindestens zwei Generationen konnten hier durch die Pubertät gehen. 

Herr Cotgrove, konnten Sie einen linguistischen Eindruck gewinnen, inwieweit sich die Jugendsprache von 2008 bis 2018 entwickelt hat und welche Unterschiede es gibt? 

Innerhalb von 10 Jahren hat sich sehr viel geändert – morphologisch, stilistisch, lexikalisch, syntaktisch, diskursiv und orthografisch. Geil ist jetzt out, mega und nice sind in (in 2018, jetzt vielleicht wieder out). Das Lach-Wein-Emoji als Symbol von Heiterkeit ist nicht mehr cool, eher jetzt der Totenkopf. Krass komplexe Verstärkungskomposita (z.B. megaultraaffentittenhammergeil) werden nicht mehr so häufig verwendet. 

Aber nicht nur zeitlich gibt es Unterschiede in der Jugendsprache, sondern es existieren auch die unterschiedlichsten Subkulturen.

Zeigen sich dieser auch online? Gibt es Unterschiede in der verwendeten Jugendsprache zwischen den Kanälen, d. h. lassen sich bestimmte „Bubbles“ und dort bevorzugte Jugendsprache oder Wendungen erkennen? 

Ja, tatsächlich! In den Gaming-Kanälen werden Merkmale von Twitch oft benutzt, zum Beispiel „kappa“ als Ironiemarker. In den Kommentaren unter den Videos von BonnyTrash wird das Einhorn-Emoji als Insiderstatussymbol verwendet.

Jugendsprache – Segen oder Plage?

Jugendsprache ist demnach im stetigen Wandel und das Korpus ermöglicht die Arbeit und Analyse mit dieser Sprache. Doch wie könnte sie genau aussehen?

Herr Cotgrove, welche weiteren linguistischen Fragestellungen könnten an das Korpus herangetragen werden?

Das Korpus kann für eine Vielzahl von Forschungsfragen verwendet werden. Die Fülle an Metadaten ermöglicht diachrone Forschung, Forschung über Online-Communitys, Interaktion (sowohl zwischen Kommentatoren als auch die parasozialen Beziehungen zwischen YouTubern und Kommentatoren). Die Größe des Korpus ermöglicht auch eine Vielzahl von linguistischen Analysen: lexikalisch, orthografisch, syntaktisch und morphologisch. 

Jugendsprache ist in vielen Augen nur eine „falsche“ Form des Deutschen. Hieraus ergibt sich eine letzte Frage: Gibt es aus Ihrer Sicht Alltagsprobleme, die mit der Dokumentation und Analyse von Jugendsprache gemindert oder gelöst werden können? 

Ich hoffe, dass mein Projekt zeigt, dass Jugendsprache weitaus mehr als nur ein Lexikon ist und wie Jugendliche viele Aspekte der deutschen Sprache beeinflussen. Es ist auch wichtig, zu merken, dass Jugendsprache überhaupt nicht homogen ist, aber auch so komplex, intersektional und faszinierend wie die Alltagssprache, d.h. es gibt dia-, regio-, sozio-, ethnolektale Variation innerhalb der Jugendsprache.

Für Louis Cotgrove ist somit Jugendsprache nicht zum Kopfschütteln, sondern sogar eine wahre Bereicherung für unsere Sprache und unseren Alltag!

Die Autorin und der Autor:

Michelle Bytzek studiert Deutsch und Englisch auf Gymnasiallehramt und mag das Internet so sehr, dass ihr die Web-Jugendsprache nur allzu bekannt vorkommt.

Maximilian Schwegle studiert Deutsch, Geschichte und Sozialkunde und bereitet sich mit dem Jugendsprache-Blog schon mal aufs Lehramt vor.

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Die Mutter aller Bereiche?

Angewandte Linguistik und das Tätigkeitsfeld Dokumentieren

Woher kommen die Informationen?

Haben Sie alle bisherigen Blogbeiträge der #galwue22 mitverfolgt? Prima, dann kennen Sie nun FAST alle Themenbereiche der Angewandten Linguistik! Ein Tätigkeitsfeld aber fehlt noch. Dabei ist dieses besonders wichtig, denn es stellt die Grundlage so ziemlich aller anderen Bereiche dar. Vielleicht ist Ihnen aufgefallen, dass zu Beginn jedes Projekts, das vorgestellt wurde, eine Vorarbeit steht, beispielsweise in Form von Interviews (wie im Projekt SPRINT) oder Befragungen, Filmen und Auswertung (wie für das DGS-Korpus). Hierbei befinden wir uns im Tätigkeitsfeld Dokumentieren, durch welches die Basis für weitere Forschungen, Entwicklungen und Projekte geschaffen wird.

Wie geht man vor?

Die Dokumentation in der Sprachwissenschaft kann beispielsweise in diesen Schritten ablaufen: Zunächst werden die Wörter identifiziert. Dabei wird beispielsweise nach neuen Wörtern, neuen Wortverbindungen, bekannten Wörtern oder häufigen Wortverbindungen unterschieden. Danach werden die identifizierten Wörter in einer Datenbank gesammelt, verschlagwortet und mit Quellennachweisen versehen. Als nächster Schritt folgt die lexikographische Analyse, bei der Wörter nach Kategorien geordnet werden. Daraufhin wird eine lexikographische Dokumentation der Befunde vorgenommen. Diese werden hierbei insofern aufgearbeitet, dass allgemeinverständliche, wörterbuchartige Texte entstehen, die der Öffentlichkeit, beispielsweise online, zur Verfügung stehen.

Und in welchen Berufsfeldern wird dokumentiert?

Die Dokumentation ist in allen sprachwissenschaftlichen Berufsfeldern von Bedeutung, da sie die Grundlage für weitergehende Forschungen bildet. Dementsprechend findet bei allen Projekten zu Beginn und währenddessen die Dokumentation der Daten statt. Ein linguistischer Teilbereich, bei dem die Dokumentation einen besonders hohen Stellenwert einnimmt, ist die Korpuslinguistik. Hierbei werden durch die untersuchende Analyse von zahlreichen Daten, die zuvor in Korpora, also Sammlungen sprachlicher Gegenstände wie Texten, erfasst wurden, verschiedene Eigenschaften, Gesetzmäßigkeiten, Strukturen und Funktionen von Sprache offengelegt. Dadurch können neue Erkenntnisse über Sprache generell oder über bestimmte Sprachen erlangt beziehungsweise bestehende Hypothesen überprüft werden. Vor allem das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache (IDS) beschäftigt sich mit diesem Themenbereich. 

Dokumentieren und Alltag – Wo ist die Verbindung?

Egal wo wir sind, was wir tun oder mit wem – wir kommunizieren täglich. Kommunikation, und somit auch die Sprache, prägt unseren Alltag, da sie unser Zusammenleben bestimmt und in jedem Bereich unseres Lebens essenziell ist. Doch unsere Ausdrucksweise verändert und erweitert sich durchgehend, ohne dass wir es bewusst wahrnehmen. Hier kommen Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftler ins Spiel. Sie dokumentieren die verschiedenen Wörter und Ausdrucksweisen und bereiten sie auf, sodass sie allen zu Verfügung stehen. Dies kann beispielsweise Lernenden helfen, die deutsche Sprache besser zu verstehen. Auch können die demografischen Grenzen innerhalb der Gesellschaft insofern überwunden werden, dass Aspekte wie Sprachwandel sichtbar gemacht werden. 

Ein Beispiel hierfür ist das seit 2008 jährlich gewählte Jugendwort des Jahres, für welches seit zwei Jahren jeder eine Stimme abgeben kann. Ursprünglich stellte dies eine Werbung für das Lexikon 100 Prozent Jugendsprache dar. Der Sieger des Jugendwortes 2021 beispielsweise ist cringe, welches den Vorgang des Fremdschämens beschreibt. Mehr aus dem Bereich Jugendsprache gibt es übrigens im Blogbeitrag nächste Woche!

Die Grundlage für Angewandte Linguistik

Das Dokumentieren zu Beginn eines sprachwissenschaftlichen Projekts ist meist unumgänglich. Ergebnisse des Dokumentiervorgangs sind dann zum Beispiel Sprachkorpora, Wörterbücher, Datenbanken oder Terminologielisten. Da solche Sammlungen Ausgangspunkte für das weitere Vorgehen in jeglichen Berufsfeldern sind, ist Genauigkeit beim Dokumentieren besonders wichtig. So stellt das Tätigkeitsfeld Dokumentieren die Grundlage für viele weitere Forschungen dar – natürlich auch für unser aller Alltag!

Die Autorinnen:

Lisa Köhler studiert Germanistik und Französisch auf Bachelor und beschäftigt sich somit gleich in zwei Sprachen mit Linguistik.

Katharina Wolf studiert Germanistik und Ethnologie auf Bachelor und möchte damit den Menschen die Verbindung von Sprache und Alltag näherbringen.

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Im Kampf für kommunikative Gleichberechtigung

Ein Projekt aus dem Tätigkeitsfeld Professionalisieren

Die Probleme mit der Sprache

Haben Sie sich schon einmal schwergetan, einen Text richtig zu verstehen? Vielleicht lag dies daran, dass der Text in einer fremden Sprache verfasst wurde, dass Sie noch ein Kind waren oder, dass es sich um einen Text handelte, der mit Ihnen unbekannten Fachwörtern regelrecht um sich warf. Dies sind Ausnahmen, die Ihr generelles Leseerleben wahrscheinlich kaum beeinflusst haben – für viele Menschen sind schwer verständliche Texte jedoch Alltag. Es kann hier bei solch „einfachen“ Dingen wie Nachrichten zu Problemen kommen, aber besonders Formulare oder Gesetzestexte sind unter Umständen sehr kompliziert geschrieben und für Fachfremde kaum nachvollziehbar. 

Durch die Novelle des Behindertengleichstellungsgesetzes des Bundes (BGG) im Jahr 2016 wurde der Fokus jedoch vermehrt darauf gerichtet, leicht verständliche Texte in Leichter und einfacher Sprache zu erforschen und zur Verfügung zu stellen. 

Wer braucht das denn schon – “Leichte Sprache”?

Die Reaktionen auf Leichte Sprache sind leider häufig negativ bis abwertend, was sich auf die Leserinnen und Leser auswirkt. Dies führt dazu, dass diese stigmatisiert werden. Doch von Leichter Sprache profitieren sehr viele Menschen! Sie kann hilfreich sein im Umgang mit kleinen Kindern, mit Menschen, die Deutsch gerade erst lernen, oder fachfremde Personen. Außerdem Menschen mit Leseeinschränkungen oder Sprachverarbeitungsproblemen, wofür es vielfältige Gründe geben kann, wie beispielsweise Demenz, geistige Behinderungen, Lernschwierigkeiten, prälinguale Hörschädigungen oder funktionaler Analphabetismus.

Medizinische Texte, beispielsweise, die viele Fachbegriffe beinhalten, sind für Laien schwer verständlich. Wenn Sie jedoch auf das Verstehen des Textes angewiesen wären, wäre Leichte Sprache für Sie eine riesige Hilfe. Das heißt: Jeder profitiert von der Forschung im Bereich der Leichten und einfachen Sprache. 

Was Leichte Sprache ausmacht

Wichtig für Leichte Sprache ist das Verzichten auf Fremdwörter und Fachbegriffe. Insgesamt gibt es jedoch ungefähr 120 Regeln, die durch verschiedene Regelwerke, wie das des Netzwerks Leichter Sprache, erarbeitet wurden. Dazu gehört beispielsweise die Vermeidung von Nebensätzen, Passiv oder Negation. Kurze Sätze, mit einem Satz pro Zeile, Mediopunkte oder Bindestriche bei komplexeren Wörtern (z.B. Fach·sprache), direkte Ansprache und Zwischenüberschriften sind erwünscht. 

Außerdem hat Leichte Sprache drei Funktionen: 

1) eine Partizipationsfunktion – damit alle am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.

2) eine Lernfunktion – da durch Leichte Sprache Lernimpulse gegeben werden und somit das Ziel des Standarddeutschen leichter erreicht werden kann (hierfür besonders wichtig: Leichte Sprache muss korrektes Deutsch verwenden).

3) eine Brückenfunktion – da sie ein ergänzendes Angebot darstellt, sollte ein einfaches Hin- und Herwechseln zwischen dem originalen Text und dem in Leichter Sprache möglich sein.  

LeiKo und die zukünftige Forschung

Durch die UN-Behindertenrechtskonvention von 2009 kam es zu einer Forderung nach Barrierefreiheit, die sich auch auf Informationen und Medien bezieht. Dadurch wurden einige Regelwerke für Leichte Sprache entwickelt, wobei jedoch kaum erforscht wurde, ob hierdurch wirklich die Verständlichkeit verbessert wird und welche Auswirkungen sie auf übergeordnete Sprachebenen hat. Diesem Problem haben sich Prof. Dr. Heike Zinsmeister und ihre wissenschaftliche Mitarbeiterin Sarah Jablotschkin von der Universität Hamburg gestellt und ein Vergleichskorpus mit Nachrichtentexten in Leichter und einfacher Sprache entwickelt (= LeiKo). Die vier Subkorpora beinhalten bisher 215 Nachrichten- und Zeitungstexte (+ Metadaten), wobei die Texte tokenisiert, lemmatisiert, wortarten- und dependenzannotiert und mit Koreferenzannotationen angereichert wurden. Dabei wurde ein Pilotkorpus von 40 Texten manuell korrigiert. 

Doch wofür soll dieses Korpus gut sein? LeiKo unterstützt die zukünftige Forschung, indem die Forscherinnen und Forscher auf das Korpus kostenfrei zugreifen können. Denn nur, wenn Leichte Sprache besser erforscht wird, kann sie sich auch verbessern und den Alltag vieler Menschen erleichtern. Mit der zunehmenden Forschung kann außerdem der Stigmatisierung der Nutzung Leichter Texte entgegengewirkt werden – für eine Zukunft, in der kommunikative Gleichberechtigung der Standard und kommunikatives Unverständnis kein Ausschlusskriterium ist

Wurde Ihr Interesse geweckt? Wenn ja, schauen Sie doch gerne in das auf Zenodo frei verfügbares Korpus hinein und machen Sie sich Ihr eigenes Bild von dem Projekt!

Die Autorin: 

Jacqueline Krumm studiert Gymnasiallehramt mit den Fächern Englisch und Deutsch. Ihre Liebe zum Lesen hat sie schon früh in ihrer Kindheit entdeckt, weshalb sie sich wünscht, dass in der Zukunft jede(r) Zugang zu guten, verständlichen Texten hat.

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Eine Brücke zwischen Beruf und Alltag

Angewandte Linguistik und das Tätigkeitsfeld Professionalisieren

Sprache prägt unseren Alltag wie nichts anderes, doch dabei ist die gegenseitige Verständigung nicht immer einfach. Vor allem, wenn es um die Kommunikation zwischen Expertinnen und Experten und Fachfremden geht. Ein Gespräch im juristischen, behördlichen, medizinischen oder in anderen fachsprachlichen Kontexten kann uns vor große Herausforderungen stellen. 

Der Einfluss auf unseren Alltag

Es sind alltägliche Probleme, die viele Bereiche unseres Lebens beeinflussen. Nehmen wir beispielsweise das Diagnosegespräch zwischen Ärztinnen und Ärzten und den behandelten Personen. Ein solches Gespräch kann viele für die Patientin oder den Patienten komplizierte Fachwörter und Formulierungen enthalten, denen Laien eventuell nicht folgen können. Das kann zu großem Unbehagen der einzelnen Gesprächsteilnehmenden, aber sogar zu Missverständnissen über wichtige gesundheitsrelevante Gesprächsinhalte führen.

Doch zum Glück sind auch in diesen professionellen Kontexten wieder Angewandte Linguistinnen und Linguisten am Werk! Sie ermöglichen eine bessere Kommunikation in beruflichen und fachlichen Kontexten und bilden somit die Brücke zwischen Expertinnen und Experten und Fachunkundigen. Außerdem optimieren sie Kommunikationsprozesse und Handlungsabläufe in diesen Bereichen, beispielsweise in Unternehmen. 

Mit sprachlicher Professionalisierung beschäftigen sich unter anderem die Fachkommunikation, die Gesprächsforschung, interkulturelle Kommunikation, Medienkommunikation, aber natürlich auch Textlinguistik, Übersetzungs- und Dolmetschwissenschaften und viele Fachbereiche mehr.

Eine Brücke durch Linguistik

Das Ziel der linguistischen Professionalisierung erreichen Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftler unter anderem durch Coaching. Ein wissenschaftlicher Anbieter ist die Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (zhaw), die auf ihrer Seite ein breites Professionalisierungsangebot aufzeigt. Dabei richtet sie sich vor allem an Unternehmen und Organisationen, aber auch an Privatpersonen.

Dort gibt es auch eine große Abteilung für die Angewandte Linguistik, welche den Fokus auf die Professionalisierung von Sprache und Kommunikation richtet. Neben der Unterstützung im Bereich Fachtexte, spielen auch Terminologie und Schreib-Coachings eine Rolle. Dabei wird an der zhaw die Meinung vertreten, dass die für einen Fachtext schwierigen Termini nur ein Teil des Problems darstellen. Denn auch komplizierte Satzstrukturen können beispielsweise eine große Hürde für das Verständnis von Fachtexten darstellen. Durch die Professionalisierungsarbeit sollen Inhalte verständlicher und dennoch korrekt dargestellt und so die Kommunikation zwischen Expertinnen und Experten und Fachfremden verbessert werden. 

Auf der Homepage der zhaw finden Sie auch einen Podcast, in einer Folge geht es zum Beispiel um professionelles Schreiben, hören Sie doch einmal rein!

Sprachliche Professionalisierung ist wichtig für berufliche und fachliche Kontexte unseres Alltags. Die Angewandte Linguistik baut eine Brücke, die sprachliche Missverständnisse vermeiden und so die Kommunikationsprozesse vereinfachen und optimieren kann.

Die Autorinnen:

Yukari Hayashida studiert Germanistik als Fremdsprachenphilologie im vierten Semester. Sie interessiert sich für die deutsche Sprache und die Kultur der deutschsprachigen Länder in allen Ausprägungen.

Leonie Kampmann studiert Germanistik und Vergleichende Sprachwissenschaft auf Bachelor. Die Angewandte Linguistik findet sie spannend, weil Sprache unser zentrales Kommunikationsmittel ist. Sie glaubt fest daran, dass ein besseres Verständnis sprachlicher Strukturen letztlich auch die Kommunikation fördern und Missverständnisse vermeiden kann.

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Turn-Taking und Verständnissicherung beim Telefondolmetschen

Ein Projekt aus dem Tätigkeitsfeld Beraten

Stellen Sie sich vor, Sie kommen in ein fremdes Land und niemand versteht Sie. Sie müssen dennoch Behördengänge erledigen oder Diagnosegespräche mit Ärztinnen und Ärzten führen. Das ist Alltag für viele Menschen mit Migrationshintergrund, die Unterstützung für diese Tätigkeiten brauchen. Solche Unterstützung kommt unter anderem durch Dolmetscherinnen und Dolmetscher, die als Übersetzerinnen und Übersetzer in Gesprächen fungieren.

Dabei kommt es häufig vor, dass nicht genug Dolmetschende für eine bestimmte Sprache, beispielsweise Arabisch, vor Ort sein können. Zum Glück wird die Technik jedoch immer fortschrittlicher und vielseitiger und das hat auch Einfluss die Formen des Dolmetschens. Neben Video-Gesprächen ist seit vielen Jahren auch das Telefon ein beliebtes Mittel, um über weite Entfernungen das Dolmetschen zu ermöglichen.

Das hat es mit Telefondolmetschen auf sich

Wie der Name bereits sagt, ist beim Telefondolmetschen die Dolmetscherin oder der Dolmetscher nicht persönlich vor Ort, um die Klientin oder den Klienten zu unterstützen, sondern als dritte Partei per Telefon zugeschaltet. Dieses Konzept ist keinesfalls neu und wird bereits seit den 70ern, zunächst in Australien, praktiziert. In den darauffolgenden Jahrzehnten kam das Telefondolmetschen über die USA, wo es zunächst nur für die Polizei angeboten wurde, auch nach Europa.

Beim Telefondolmetschen kann man in drei verschiedene Situationen unterteilen: 

1. Beide Gesprächsparteien und die Dolmetscherin oder der Dolmetscher befinden sich an unterschiedlichen Orten. 

2. Die beiden Gesprächsparteien befinden sich an einem Ort und unterhalten sich über den Lautsprecher des Telefons, sodass die Dolmetscherin oder der Dolmetscher mithören kann.

3. Die Situation ist ähnlich wie bei der zweiten Form, nur dass das Gespräch nicht über einen Lautsprecher stattfindet, sondern das Telefon zwischen den Gesprächsteilnehmenden hin und her gereicht wird.

Telefondolmetschen und seine Tücken

So gut und praktisch das Konzept Telefondolmetschen klingt, vor allem für Regionen, in denen Dolmetscherinnen und Dolmetscher fehlen, es birgt auch einige Probleme. Zum einen wären da natürlich die technischen Schwierigkeiten, die bei einer Telefonverbindung auftreten können. Kommt es zu kurzen Unterbrechungen, kann das Verständnis der einzelnen Parteien nicht mehr gesichert werden.

Ein weiteres Problem ist das Fehlen nonverbaler Kommunikationsmittel. In einem face-to-face-Gespräch spielen für die Verständnissicherung auch Gestik und Mimik eine Rolle, in einem Telefongespräch entfällt das komplett. Das ist vor allem ein Hindernis für das „Turn-Taking“, also den Wechsel der Sprecherin oder des Sprechers, der durch Mimik und Gestik gut unterstützt werden kann. Die Dolmetschenden müssen dann auf paraverbale Signale achten, zum Beispiel auf den Tonfall, das Tempo oder den Akzent. Sonst bleibt nur die Möglichkeit, das Gespräch direkt verbal zu unterbrechen und eventuell den weiteren Verlauf des Gesprächs zu stören. Das kann zu einem Gefühl des Unbehagens oder Kontrollverlustes führen und die Gesprächssituation negativ beeinflussen.

Ein weiterer Nachteil des Telefondolmetschens ist die Zeitdauer. Ein solches Gespräch ist aufgrund von Konzentration und Ermüdung nicht für eine längere Zeit ausgelegt und somit ist es problematisch, komplexe Sachverhalte ausreichend darzustellen und zu besprechen.

Da die Lösung durch Telefondolmetschen jedoch auch viele, vor allem logistische, Schwierigkeiten vermeidet, sollten diese Probleme angepackt werden! Und das hat sich ein internationales Forschungsteam beim Projekt „Turn-Taking und Verständnissicherung beim Telefondolmetschen Arabisch-Deutsch“ auf die Fahne geschrieben. Denn ein erfolgreiches Telefondolmetschen hängt von den Kompetenzen der Dolmetschenden und den kommunikativen Fähigkeiten der Fachkräfte ab, wobei hier die Angewandte Linguistik unterstützen kann.

Telefondolmetschen für bessere Migration 

Gerade in der Kommunikation mit Migrantinnen und Migranten sowie Geflüchteten ist Telefondolmetschen besonders relevant. Der breite Bedarf in Unterkünften sowie Betreuungs- bzw. Beratungskontexten kann durch Dolmetscherinnen und Dolmetscher vor Ort nicht gedeckt werden. So bietet das Telefondolmetschen die Möglichkeit, mehr Menschen ortsunabhängig in ihrem Alltag zu unterstützen.

Das internationale Projekt mit Beteiligten in Deutschland, den Vereinigten Staaten und Jordanien untersucht deshalb sowohl Verfahren des Sprecherwechsels, also „Turn-Taking“, und die Verständnissicherung innerhalb von Beratungsgesprächen in sozialen Handlungskontexten per Telefon als auch die Methodik mehrsprachiger Transkription und Annotation für die Gesprächsanalyse. Es soll geklärt werden, wie kommunikative Probleme durch das Fehlen nonverbaler Mittel vermieden werden können und welche sprachlich-kommunikativen Anforderungen an das Dolmetschen von Gesprächen zu stellen sind.

Hierfür werden innerhalb des Projekts computergestützte Gesprächstranskripte angefertigt, die die Schwierigkeiten der mehrsprachigen und interkulturellen Kommunikation herausstellen sollen. Auf dieser Grundlage sollen kommunikative Verfahren modelliert werden, die die Gespräche verständlicher gestalten und gliedern können. Ein besonderes Augenmerk liegt hier auf der institutionellen Kommunikation. In wissenschaftlichen Workshops wollen die beteiligten Forscherinnen und Forscher Fragen der Gesprächsinteraktion und der Darstellung in der Transkription klären, und in Verbindung mit Berufsverbänden des Dolmetschwesens sollen mögliche Hilfestellungen für die Praxis erörtert werden.

Mehr Infos gibt es auch auf der Projekt-Homepage!

Insgesamt werden auf diese Weise also Methoden erforscht und Muster festgehalten, die das spannende Feld des Dolmetschens per Telefon verbessern, die Dolmetscherinnen und Dolmetscher professionalisieren und – natürlich – den Alltag für geflüchtete Personen sowie Migrantinnen und Migranten erleichtern!

Die Autorinnen: 

Yijia Chen studiert Germanistik als Fremdsprachenphilologie und denkt, dass man mithilfe fremdsprachlicher Kenntnisse eine fremde Kultur gut und tief verstehen kann. 

Yuanying Jin studiert Germanistik als Fremdsprachenphilologie und interessiert sich für alle Formen interkultureller Kommunikation.

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Guter Rat ist teuer. Aber bitte nicht sparen!

Angewandte Linguistik und das Tätigkeitsfeld Beraten

Viele Menschen sind auf der Suche nach Beratung – auch zu Sprache und sprachbezogenen Themen. Privatpersonen, Unternehmen, politische Parteien und viele weitere Institutionen suchen daher bewusst Sprachberatungsstellen auf.

Sprach- und Schreibberatung im Alltag

Die dort stattfindende Sprach- und Schreibberatung hat viele Facetten und Anwendungsbereiche. Wie kann die Identität des neuen Start-Ups sprachlich transportiert werden? Welche Vornamen sind aktuell beliebt oder haben eine besondere Bedeutung? Sollte man E-Mails besser mit „Liebe Mitarbeiter“ oder eher mit „Liebe MitarbeiterInnen“ beginnen? Wie kann ein gelungener Wahl- oder Werbeslogan formuliert werden? Und nicht zuletzt ergeben sich auch viele allgemeine Fragen zur Rechtschreibung, Grammatik oder zur korrekten Übersetzung.

Egal, ob es um private oder berufliche Fragen und Probleme geht, Beratungssituationen entstehen jeden Tag zu jeder Zeit überall. Angewandte Linguistinnen und Linguisten helfen bei diesen Schwierigkeiten!

Wann findet Beratung statt?

Bei der Beratung kommen Ratsuchende auf Expertinnen oder Experten zu und lassen sich von diesen bei der Problemlösung helfen. Geht es um Schwierigkeiten im Bereich Sprache und Kommunikation, haben Angewandte Linguistinnen und Linguisten die notwendige Expertise. Sie kennen sich beispielsweise mit Syntax, Semantik, Phonologie, Morphologie, Übersetzung usw. aus und können ihr Wissen auf das vorliegende Problem anwenden.

Die GfdS – Gesellschaft für deutsche Sprache e.V.

Angewandte Linguistinnen und Linguisten sind in vielen verschiedenen Formen von Beratungsstellen tätig: Es gibt kostenlose Beratungen in Universitäten, aber auch kostenpflichtige Angebote zum Beispiel bei der Gesellschaft für deutsche Sprache e.V. Die GfdS berät sogar Abgeordnete des Bundestags!

Sprachberatungsstellen bieten ganz verschiedene Services an: Wenn es generelle Fragen oder Probleme zur Nutzung der deutschen Sprache oder in sprachlichen Zweifelsfällen gibt, können von Linguistinnen und Linguisten Auskünfte erteilt und Gutachten erstellt werden. Aber auch ganze Texte werden unter anderem auf Stil, Ausdruck und Zeichensetzung geprüft und korrigiert, egal ob es sich um eine Bewerbung oder um ganze Geschäftsberichte eines Großunternehmens handelt. Sollte es Themen geben, deren Beratung umfangreicher ausfällt, bieten die GfdS sogar Seminare und Workshops an, um beispielsweise über geschlechtergerechte, ‚leichte‘ oder bürgernahe Sprache zu beraten. Die GfdS hat aber noch viele weitere Angebote im Repertoire, die es sich zu anschauen lohnt (wenn sie sich gerne die Liste zu den ‚Wörtern des Jahres‘ anschauen wollen, sind sie auf der Seite auch gut beraten!). Neben der GfdS gibt es natürlich noch viele weitere Beratungsstellen, beispielsweise auch von Duden.

Was macht einen guten Sprachberater aus?

Angewandte Linguistinnen und Linguisten zeichnen sich dann als gute Ratgeberinnen und Ratgeber aus, wenn sie beachten, dass zwischen ratsuchenden und ratgebenden Person eine Divergenz in der Beratungssituation besteht, und wenn sie es schaffen, diese möglichst gering zu gestalten. Unterschiedliches Wissen, die Distanz zum vorliegenden Problem, die Perspektive auf den Sachverhalt sowie bereitstehende Handlungs- und Lösungsmöglichkeiten machen den Kontrast zwischen beiden Seiten aus. Die ratsuchende Person benötigt eine Lösung für ihr Alltagsproblem, woraufhin in einem direkten Gespräch, per Gutachten usw. beraten und eine Problemlösung gefunden werden soll.

Die Linguistinnen und Linguisten beschäftigen sich mit den Problemfällen und bedienen sich, je nach Art des Problems, an ihren jeweiligen Problemlösekompetenzen und -mitteln. Dazu zählen sprachwissenschaftliches Wissen auf allen linguistischen Ebenen, psychologische Grundlagen, wie sensibler Umgang, und Gesprächsführung. Außerdem sprach- und schreibdidaktische Kenntnisse und Methoden sowie rhetorische und organisatorische Fertigkeiten. Das Problem sollte gemeinsam behandelt und dementsprechende Lösungen angeboten und umgesetzt werden.

Beratung in allen Sektionen

Sprach- und Schreibberatung durch Linguistinnen und Linguisten kann vielseitig angewendet werden, egal, ob es Stilistik, Übersetzungswissenschaft, Medienkommunikation, Gesprächsforschung, Soziolinguistik oder interkulturelle Kommunikation betrifft. Beratung ist ein wichtiger Bestandteil der Arbeit der Angewandten Linguistik und es gilt hier umso mehr: Wo es an Beratung fehlt, da scheitern die Pläne – aber dank Angewandter Linguistinnen und Linguisten sind Sie gut beraten!

Die Autorin und der Autor:

Xinyi Gong studiert im vierten Semester Germanistik als Fremdsprachenphilologie. Sie findet es interessant, sich als Chinesin mit der deutschen Sprachwissenschaft auseinanderzusetzen und neue Perspektiven zu betrachten.

Timo Lüsebrink studiert im zehnten Semester Gymnasiallehramt mit den Fächern Deutsch, Geschichte und Politik. Er hält es aufgrund von Erfahrungen aus seinen anderen Fächern für notwendig, dass heutige Politikerinnen und Politiker gut beraten sind, auch linguistisch.

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Führerschein? Fahrzeugpapiere? Deutsch?

Ein Projekt aus dem Tätigkeitsfeld Aufklären

Transformation und Translation – Das Projekt

Stellen Sie sich vor, sie brauchen Hilfe, aber niemand kann sie verstehen. Was wie ein Horrorszenario wirkt, gehört für viele Menschen in Deutschland zum Alltag. Sie fühlen sich ausgegrenzt, weil sie „anders“ sprechen, vielleicht auch „anders“ aussehen. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Bundesrepublik zu einer zunehmend heterogenen Gesellschaft entwickelt. Und das prägt natürlich auch die Sprache(n) in Deutschland!

Sprachbarrieren und die damit einhergehende Notwendigkeit für Translationen gehören heute zum Alltag – sie sind aber auch eine tägliche Herausforderung. Zum Beispiel für die Polizei!

Jan Beek und sein interdisziplinäres Team, zu dem auch ein Polizist gehört, von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz beschäftigen sich in ihrem Projekt ‚Polizei-Translationen – Mehrsprachigkeit und die Konstruktion kultureller Differenz im polizeilichen Alltag‘ deshalb genau mit diesen Herausforderungen. Wann nehmen die Beamtinnen und Beamten einen Menschen als kulturell „fremd“ wahr? Wie beeinflusst diese Wahrnehmung den Umgang mit diesem Menschen? Und, aus linguistischer Perspektive zentral: Wie sieht die Kommunikation zwischen den Parteien aus?

Am Projekt ist auch Prof. Dr. Bernd Meyer von der Universität Mainz beteiligt. Der Angewandten Linguistik ist er als Leiter der Sektion Interkulturelle Kommunikation und mehrsprachige Diskurse der Gesellschaft für Angewandte Linguistik e.V. sehr zugetan. Mit uns hat er über seine Beteiligung am Projekt Polizei-Translationen gesprochen.

Das Krisenexperiment

„Das Projekt Polizei-Translationen ist am Institut für Ethnologie angesiedelt und überwiegend sozialwissenschaftlich orientiert“, berichtet er. Ursprünglich sei eine linguistische Beteiligung in Form von Gesprächsanalysen der via Body-Cam aufgezeichneten Gespräche geplant gewesen. Aus rechtlichen Gründen war das leider nicht möglich. Die Mainzer mussten umplanen: 

„Daraufhin wurden von uns Aufzeichnungen von Ausbildungsszenarien angefertigt, in denen Polizisten das Verhalten in Standard-Einsätzen üben (Verkehrskontrolle, Ruhestörung). In diese Szenarien haben wir Klienten ohne Deutschkenntnisse eingebaut, das war neu für die Polizisten. Normalerweise üben sie vor allem die Eigensicherung. Nun ging es auf einmal nicht um Gewalt, sondern um Kommunikation. In der Sozialwissenschaft nennt man das auch ein Krisenexperiment: Die Teilnehmer werden mit unerwarteten Problemen konfrontiert, die sie mit herkömmlichen Mitteln nicht lösen können. Die Frage war: Was machen sie, wenn der Fahrer kein Deutsch spricht, man aber trotzdem seinen Führerschein sehen muss?

Die Interaktionen zeichneten sie mit Kameras auf. Anhand der Aufnahmen wurden Beobachtungen festgehalten und Ablaufbeschreibungen erstellt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden zusätzlich nachträglich befragt. So konnten typische Ablaufmuster festgehalten werden.

„Diese Typen wurden als inklusive und exkludierende Mehrsprachigkeit bezeichnet. Inklusiv: Man versucht trotz Sprachbarriere zu kommunizieren. Exklusiv: Man macht weiter und schert sich nicht um die Kommunikation. Die Klienten bleiben dann außen vor, werden z. B. körperlich durchsucht, ohne zu wissen, warum. Ganz schlecht!“

Zum Glück ist dieser Fall nur selten eingetreten: Nur 3 von 33 Teams wurden von Bernd Meyer als exkludierend eingestuft.

„Das Bemühen um Verständigung“ soll im Vordergrund stehen

Die Reaktion der meisten angehenden Beamtinnen und Beamten zeigte also, dass der Wille zur Kommunikation trotz Sprachbarriere durchaus existent ist. Doch guter Wille allein reicht nicht aus, um den polizeilichen Umgang mit Klientinnen und Klienten ohne Deutschkenntnisse nachhaltig zu verbessern. Dafür braucht es konkrete, systemische Lösungsansätze, die mitunter von der Angewandten Linguistik unterstützt werden können.

Prof. Dr. Meyer zählt dabei einige Ideen auf, beginnend mit einem Besuch bei Google Translate. Eine weitere Möglichkeit wäre außerdem, die einsatzbezogenen Sprachkompetenzen zu fördern, „also den Sprachunterricht berufsbezogen organisieren, Sprachunterricht an kommunikativen Kompetenzen ausrichten, mehrsprachige Kollegen einbeziehen usw.“ Damit sollen sowohl neue Kompetenzen aufgebaut als auch bereits bestehende Kompetenzen ausgebaut werden. Die Quintessenz dieser Bemühungen besteht aber vor allem darin, „das Bemühen um Verständigung“ zum höchsten kommunikativen Gut zu machen.

Eine bessere Polizei?

Das Ziel des Projekts ist es, die Polizistinnen und Polizisten für mögliche sprachliche Probleme in Einsätzen zu sensibilisieren, sie aber auch über Lösungsansätze zu informieren. Dazu reicht es nicht, im Nachhinein Fehleranalysen zu betreiben oder sprachliche Missverständnisse zu bedauern. Nein, es sollten auf der Basis wissenschaftlicher Forschung konstruktive Lösungen für alltägliche Probleme entwickelt werden, die in der Realität der transformierten Gesellschaft umsetzbar sind. Denn wer Hilfe braucht, sollte auch verstanden werden – und Angewandte Linguistinnen und Linguisten können helfen, diese Verständigung zu ermöglichen.

Die Autorin und der Autor:

Nina Busch studiert im sechsten Bachelorsemester Germanistik und Political and Social Studies und sieht ein großes Potential in der interdisziplinären Zusammenarbeit der Sozialwissenschaften und der Sprachwissenschaft.

Tim Neumann studiert im achten Fachsemester Deutsch und Englisch auf Gymnasiallehramt. Den größten Spaß im Studium hat er mit mittelhochdeutschen Texten, im Beruf ist er aber dazu bereit, seine Schülerinnen und Schüler damit zu verschonen.

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